Wunderschönes Laos: Alle acht Minuten eine Bombe
Wunderschönes Laos: Alle acht Minuten eine Bombe

Wunderschönes Laos: Alle acht Minuten eine Bombe

Laos galt als neutrales Land. Vom Vietnamkriegs sollte es verschont bleiben, zumindest offiziell. Aber von 1964 bis 1973 warfen die USA pausenlos Bomben auf das südostasiatische Land ab (1). Heute gilt Laos als das am stärksten bombardierte Land der Welt – und kämpft noch immer mit den Folgen.

Was hat der Vietnamkrieg mit Laos zu tun?

Operation „Barrel Roll“ nannte die CIA damals die massive Bombadierung, um Vietnams Nachschubwege während des Krieges zu zerstören (2). Die Angriffe sollten auch verhindern, dass Laos kommunistisch wird. Der „Domino-Theorie“ zufolge nahm die USA an, dass ganz Südostasien kommunistisch werden würde, sofern sie Vietnam nicht besiegen würden (3).

Über neun Jahre hinweg fielen alle acht Minuten Bomben auf Laos – insgesamt zwei Millionen Tonnen Streumunition, von denen ein Drittel bis heute im Boden liegen. (4). Das sind mehr als im Zweiten Weltkrieg auf Japan und Deutschland zusammen (5).

Fast ein Jahrzehnt dauerten die Attacken der CIA an, die geheimgehalten wurden. Nicht einmal der Kongress in den USA wusste davon (6). Noch Jahre später versuchte die Regierung die Fakten geheimzuhalten.

Die geheime Stadt im Norden

Long Cheng heißt der Ort im Norden von Laos, 130 Kilometer entfernt der Hauptstadt Vientiane. Während des geheimen Krieges lebten hier 40.000 Menschen, was die Stadt zur zweitgrößten des Landes machte (7). Auf keiner Karte verzeichnet, funktionierte Long Cheng als geheime Drehscheibe für die Operation der CIA (8). 400 Starts und Landungen gab es hier jeden Tag (9). Es wurden Nahrung und Waffen geliefert, aber auch vietnamesischen und laotische Kommunisten ausspioniert und Ziele für Bomber markiert (10). Heute finden sich in dem von Bergen umgebenen Dorf kaum mehr als ein paar alte Gebäude, Lagerhallen und die Fluglandebahn, die an die Kriegszeit erinnern.

Die USA bilden laotische Armee aus

Die CIA schickt in dieser Zeit Agenten in entlegenen Bergdörfer, um 40.000 bis 50.000 laotische Männer für eine geheime Armee zu rekrutieren. Dazu kamen 24.000 thailändische Soldaten (11). Obwohl sie ausgebildet und mit Waffen ausgestattet waren, konnten sie den Kampf gegen die kommunistischen Bewegungen in Laos und Vietnam nicht gewinnen. Über zehn Prozent der indigenen Hmong-Bevölkerung stirbt während des Krieges (12).

Am 30. April 1975 nahmen nordvietnamesische und kommunistische Truppen schließlich die Stadt Saigon ein. Vietnamesische Geschütze ließen während unaufhörlich Granaten auf die Kommandozentrale Long Cheng fallen. Die Amerikaner flohen – und die Hmong-Bevölkerung überließ man sich selbst (13).

Welche Nachwirkungen der Krieg heute auf Laos hat

Seit 1964 sind in Laos mehr als 50.000 Menschen durch die Bomben gestorben (14). Heute noch sterben jedes Jahr um die 50 Personen. Es sind meist Kinder, die auf den Feldern spielen. (15).

Eine einzelne Bombe zu entschärfen, kostet zwischen 100 und 250 US-Dollar. Ein hoher Preis für eines der am wenigsten entwickelten Länder der Welt (16). Dabei könnte die wirtschaftliche Entwicklung viel weiter sein. Im Boden befindet sich Eisen und Gold, was aber aufgrund der vielen Bomben nicht zugänglich ist (17). Dadurch bleiben die Schätze also im Boden und viele Bauern stehen mit ungenutzter Ackerfläche da. Doch die Überreste der Bomben werden heute in Laos weiterverarbeitet. Der Stahl ist hochwertig und ist für die Baubranche wichtig. Aus ihnen werden aber auch neue Glocken oder Messer hergestellt.

Zwar erhält Laos Unterstützung von außerhalb – 2024 waren das 55 Millionen US-Dollar, gespendet von Regierungen, NGO‘s, Stiftungen und Organisationen. Mit Trumps zweiter Amtszeit in den USA wurde aber das Hilfsprogramm USAID faktisch abgeschafft, was zuvor knapp 90 Prozent der Bombenkontaminierung in Laos finanzierte (18).

Laos ist eines der ärmsten Länder der Welt – das liegt auch am Vietnamkrieg. Ohne die Verseuchung des Bodens durch Bomben würde es dem Land heute besser gehen; es gäbe mehr Agrarwirtschaft, einen größeren Handel mit Eisen und Gold, keine Tote mehr durch plötzlich explodierende Bomben. Und vielleicht würde sich Laos heute auch weniger abhängig und verschuldet von seinem Nachbarland China machen. Selbst über 50 Jahre später spürt man die Nachwirkungen des Krieges noch.

Quellen

(1)https://www.fr.de/politik/trumps-usaid-aus-bedroht-die-entschaerfung-von-millionen-blindgaengern-94250711.html

(2)https://www.fr.de/politik/trumps-usaid-aus-bedroht-die-entschaerfung-von-millionen-blindgaengern-94250711.html

(3)https://www.dw.com/de/laos-und-usa-blut-und-geheimnisse/a-19527710

(4)https://www.deutschlandfunk.de/laos-40-jahre-spaeter-das-schwierige-erbe-des-us-100.html

(5)https://www.spiegel.de/geschichte/vietnam-krieg-a-948004.html

(6)https://www.dw.com/de/laos-und-usa-blut-und-geheimnisse/a-19527710

(7)ebd.

(8)https://taz.de/Arte-Doku-Amerikas-geheimer-Krieg-in-Laos/!5147491/

(9)https://www.dw.com/de/laos-und-usa-blut-und-geheimnisse/a-19527710

(10)ebd.

(11)https://www.spiegel.de/geschichte/vietnam-krieg-a-948004.html

(12)https://www.dw.com/de/laos-und-usa-blut-und-geheimnisse/a-19527710

(13)https://www.spiegel.de/geschichte/vietnam-krieg-a-948004.html

(14)https://www.fr.de/politik/trumps-usaid-aus-bedroht-die-entschaerfung-von-millionen-blindgaengern-94250711.html

(15)https://www.deutschlandfunk.de/laos-40-jahre-spaeter-das-schwierige-erbe-des-us-100.html

(16)https://www.fr.de/politik/trumps-usaid-aus-bedroht-die-entschaerfung-von-millionen-blindgaengern-94250711.html

(17)https://www.deutschlandfunk.de/laos-40-jahre-spaeter-das-schwierige-erbe-des-us-100.html

(18)https://www.fr.de/politik/trumps-usaid-aus-bedroht-die-entschaerfung-von-millionen-blindgaengern-94250711.html