An English Man in Asia
An English Man in Asia

An English Man in Asia

Eine Liebe für Japan

„Für diese Reise habe ich mich von Einigem verabschiedet. Meinen Job habe ich gekündigt, die Wohnung auch. Ich wollte an nichts mehr gebunden sein.“, erzählt Ollie, während er an seinem Negroni nippt. Ollie und ich sitzen abends bei 27 Grad auf den Straßen Chiang Mai’s. Die Cocktails haben wir uns in der Jazz-Bar nebenan geholt, wo die Band gerade einen Song von Ryuichi Sakamoto spielt. Ich kenne ihn nicht, aber Ollie springt sofort darauf an. Er erzählt mir begeistert von seiner Musik und der Ausstellung in Tokyo, die er besucht hat. Ollie ist großer Japan-Fan. Zwei Monate hat er das Land bereist – einen davon alleine, den anderen mit einem Freund. Aber warum ausgerechnet Japan ?

„Ich bin einfach fasziniert von dem Land, den Synthesizern, dem Essen, den großen Städten und der Natur“, sagt der 32-Jährige. „Es gibt dort überall diese ganzen abgefahrenen, leuchtenden Lichter auf den Straßen. Da wirkt die UK eher subtil gegen“, erklärt er weiter.

Der Schritt raus aus England

Vor der Reise hatte Ollie erstmal genug von seiner Heimatstadt Leeds. Nach seinem Studium der Musikproduktion, arbeitete er sechs Jahre lang als Koch – zuletzt als leitender. Nebenbei produziert er Musik und arbeitet bei einer Bookingagentur für Künstler*innen. Zurück in die Küche will er nicht. Zu sehr hat ihn sein Leben vor der Reise ausgelaugt. „Ich habe auf diesem Trip gelernt, worin ich wirklich gut bin – und das ist kreativ sein“, sagt er. Kreativität – das könne Vieles sein. Mal Musik, mal Schreiben, mal Fotografie. Für Ollie ist aber klar: diesen Ausgleich braucht er in seinem Leben.

Wenn man Kultur auf der Straße findet

Nach acht Wochen Japan folgten drei Wochen in Vietnam. Nun sollen die 14 Tage im Norden Thailands der Abschluss seiner Reise sein.

Ich will von Ollie wissen, welches Land er am meisten vermissen wird. Ohne lang zu zögern antwortet er: „Vietnam“. Das ganze Leben fände hier draußen statt; die Restaurants und Bars mit ihren kleinen Plastikstühlen auf den Gehwegen. Die Läden, die Früchte auf der Straße verkaufen. „Diese Art von Leben macht mir schon echt Freude“ sagt Ollie und zündet sich eine neue Zigarette an, eine Mevius. Die japanische Marke raucht er hier in Asien am liebsten. Da passt es ganz gut, wo wir gerade sitzen – auf der Straße, wenn auch ohne die Plastikstühle.

Von Politik und dem Sinn des Reisens

Auf meiner Reise beschäftigt mich vor allem eine Frage: Warum sollten Menschen trotz aller politischen Entwicklungen weiterhin auf Reisen gehen? Ollie sagt mir, von schlechten Nachrichten sollte man sich nicht vereinnahmen lassen. Das Weltgeschehen solle nicht sein persönliches Leben oder seine Reise beeinflussen. Aber wenn man aktiv werden und etwas beitragen möchte, dann solle man bei Freunden, Familie und Bekannten anfangen; sich mit ihnen unterhalten, wenn sie eine andere Meinung haben und offen auf Diskussionen eingehen, sagt Ollie. Er erzählt weiter: „Reisen lohnt sich immer noch, weil man überall auf der Welt Herzlichkeit finden kann – und weil es das Bewusstsein für andere Lebensarten erweitert“. Dann trinkt er den letzten Schluck seines Cocktails. Morgen früh wird er im Flieger zurück nach England sitzen. Dort will er seinen Plan für mehr Kreativität in seinem Leben umsetzen. Aber sicher ist auch eine andere Sache – die nächste Reise wird kommen.

Ein Kommentar

  1. Raini

    Jo….auch von Reisen braucht man ne Pause.Die Gegensätze schätzen lernen.Um dann frisch Motiviert eine Reise zu Planen. Und wieder einmal hast du alle Worte perfekt gewählt .

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