Mit dem Roller einmal um Taiwan: Alishan Nationalpark… but make it really difficult this time
Mit dem Roller einmal um Taiwan: Alishan Nationalpark… but make it really difficult this time

Mit dem Roller einmal um Taiwan: Alishan Nationalpark… but make it really difficult this time

Tag 26. April 2025

Auf meiner Mission, vor der Westküste zu fliehen, mache ich mich morgens früh von Chiayi City auf in Richtung Berge. Als ich den Roller starte, hat er zuerst Schwierigkeiten. Ist noch früh morgens, denke ich mir, der muss auch erstmal wach werden. Ich habe immerhin schon seit gut einer Woche immer wieder kleinere Probleme mit Schrotti, also wird schon nichts bei sein. Gestern fuhr er wieder gut, sobald sich die Temperaturen etwas gesenkt hatten.

Ich möchte es unbedingt wissen und will die Grenzen des Motors austesten. Daher habe ich als heutiges Ziel den Alishan Nationalpark auf 2488 Metern Höhe festgelegt. Ich mache auf ungefähr halber Strecke Halt, um dem Motor eine kurze Verschnaufpause zu geben und auch selbst zu checken, ob ich weiterfahren soll. Aber der Roller fährt die Serpentinenstraßen überraschend entspannt hoch, also entscheide ich mich, weiterzufahren.

Alishan Nationalpark

Also, was soll ich sagen. Ich bin nicht so begeistert von Alishan. Ich finde, der Ort ist etwas überbewertet. Aber zugegeben, ich bin heute auch unglaublich subjektiv. Für eine Weile spaziere ich durch den Wald, der auch echt ganz schön ist. Ich kann es nur nicht so gut genießen, weil mir mein Körper deutlich macht, dass ich es mal mit einer Pause versuchen sollte.

Nach nur ein paar Stunden, entscheide ich mich, Alishan wieder zu verlassen. Das nächste Hostel ist zwei Stunden Fahrt entfernt, es regnet und ich bin erschöpft. Ich möchte also lieber früher als später aufbrechen.

Auf 2488 Metern Höhe gefangen

Liebe Mama, das hier ist leider mal wieder nichts für dich, tut mir leid! Mir geht es aber gut, also keine Sorge. Hab dich lieb, deine Henny


Auf dem Parkplatz will ich den Motor starten. Das gelingt mir auch für ein paar Sekunden, bis ich dann Gas gebe aber der Roller sich nicht bewegt. Was stattdessen passiert, ist dass er zeitverzögert mit ordentlich Gas loslegt und nach drei Metern wieder aufgibt. So geht das einige Male. Ich schaffe es gerade so aus dem Ausgang des Nationalparks, bis ich mich voll hinlege. Ich bin nicht schnell gefahren, eher Schrittgeschwindigkeit. Aber mein rechter Fuß ist so unter dem Roller eingeklemmt, dass ich von alleine nicht wieder aufstehen kann. Glücklicherweise hat ein Busfahrer mich bei meinem Geschick gesehen und kommt mir zur Hilfe geeilt. Nachdem er den Roller von mir gehoben hat, stelle ich mich an die Straßenseite. Ich checke meinen Körper ab – bis auf blaue Flecken habe ich nichts abbekommen.
Ich merke schnell, dass meine Situation dieses Mal nicht so easy ist, wie vor einigen Wochen, als ich im Taroko Nationalpark stecken geblieben bin. Mit den Schwierigkeiten, die der Roller mir gerade bereitet und dem Regen und rutschigen Straßen, sehe ich mich absolut nicht bergab durch Serpentinenstraßen fahren. Ich frage fürs Erste also rum – vielleicht weiß ja jemand, ob hier irgendwo ein Pritschenwagen steht, der mich und den Roller runter nach Chiayi City bringen könnte. Aber ich erfahre schnell, dass das eher keine Option ist. Ich rufe also widerwillig den Vermieter, Jeremy, an. Wir telefonieren zwei oder drei mal miteinander. Die Gespräche sind ein Hin und Her und voller Wiederholungen, auf beiden Seiten.
Ich versuche ihm immer wieder klarzumachen, dass ich hier oben auf dem Berg keine Versuche mehr mit dem Roller unternehmen will und er sagt mir immer wieder, wie teuer es sein würde, den Roller dort stehen zu lassen, damit er ihn abholt. Um Zeit für eine Lösung zu finden, mit der ich mich wohlfühle, entscheide ich mich dafür, das Gespräch zu beenden und den Motor im Stand etwas warmlaufen zu lassen. Das versuche ich zwei Mal – immer wieder geht der Motor aus, sobald ich drei Meter fahre. An diesem Punkt bin ich bereits zur Kettenraucherin geworden. Es ist schon 15 Uhr und es regnet immer noch. Ich habe kein Bock mehr auf weitere Gesprächskarusselle mit Jeremy, also entscheide ich mich dafür, den Roller irgendwie abwärts zu bringen. Auf der Fahrt hoch nach Alishan habe ich genau beobachtet, wie viele Pritschenwägen auf dem Berg unterwegs sind – weiter unten gibt es auf jeden Fall welche, die mir bestimmt helfen könnten. Ich hatte ja schon fast geahnt, dass sowas passiert.
Ich starte den Motor, während ich auf einer sich nach unten schlängelnden Straße stehe. Und tatsächlich – der Motor bleibt am laufen, wenn auch nur gerade so. Für eine halbe Stunde schaffe ich es, zu fahren. Es ruckelt total, wenn ich Gas gebe und schlussendlich ist der Roller ganz kurz vorm Aufgeben, also fahre ich rechts ran. Ich texte Jeremy bei WhatsApp und frag, was ich jetzt tun kann. Er wollte mir zuvor am Telefon schon Hilfestellung geben. Jetzt bin ich irgendwie entschlossen, diesen verdammten Roller selber vom Berg zu bekommen.

Ein kleiner Boxenstopp am Straßenrand

Jeremy beschreibt, was ich untersuchen soll. Am Hinterrad, direkt über dem Auspuff soll sich ein kleines Ding in Größe eines Pfefferstreuers befinden, erklärt er. Es befindet sich unter einer Gummihülle. Das ist die Zündspule.

Darunter sind zwei Kabel befestigt, ein Grünes und ein Schwarzes, die mit sogenannten Flachsteckern an der Zündspule befestigt sind. Ich soll testen, ob sie sich leicht lösen lassen – und das tun sie.

Diese Flachstecker sind innen wie ein M geformt. Wenn sie in der Mitte zu weit geöffnet sind, sitzen die Flachstecker zu locker, sodass keine Verbindung entstehen kann. Was man jetzt normalerweise in einer Werkstatt mit einer Zange machen würde, erledige ich nun mit meinen Zähnen. Die Flachstecker müssen nämlich zusammengedrückt werden, um wieder ganz fest an der Zündspule zu sitzen. Ich beiße also immer wieder leicht auf die Stecker und checke dann, ob sie sich schon wieder gut befestigen lassen. Die ganze Untersuchung dauert etwa 20 Minuten.

Mit schwarzen Händen und Wangen vom Schmutz und Abgasen, die sich unter dem Roller gesammelt haben, gebe ich ihm noch eine Chance. Ich setze mich drauf, starte den Motor und – es fühlt sich an wie fliegen. Wer hätte gedacht, dass sich das Problem so leicht lösen ließe?

Eine der schönsten Strecken Taiwans

Mittlerweile ist die Sonne zwischen den Regenwolken hervorgekommen, während ich geschmeidig den Pass hinabfahre. Zuvor hatte ich ein Hostelzimmer in Jiji gebucht – es war das Günstigste in der Nähe, ohne zurück nach Chiayi City zu fahren. Es ist kurz vor 17 Uhr und ich habe um die 90 Kilometer vor mir und zwei Stunden Fahrt. Und meine Güte, war die schön.

Auf dem ersten Abschnitt des Passes kann ich mich nicht entscheiden, was beeindruckender in die Höhe wächst: die Baumfarne oder Nadelbäume. Langsam wurde der Wald mehr und mehr zu Bambus.

Irgendwann fuhr ich durch einen Tunnel auf die andere Seite des Berges und genoss diese Ausblicke…

Mit jeder Minute wurde die Aussicht beeindruckender. Kurz nach diesem Abschnitt fuhr ich durch dichte Wolken zwischen Teeplantagen entlang, die direkt neben der Straße lagen.

Der krönende Abschluss jedoch waren dieses Bilder:

Ein Sonnenuntergang über den Wolken. Während ich meinen Blick hiervon kaum abwenden konnte, fuhr ich entspannt die Straße hinab, wo ein Tempel den Duft von Räucherstäbchen versprühte. In diesem Moment habe ich mein Glück kaum fassen können.

Nachdem ich die letzten 45 Minuten durch komplette Dunkelheit fahren musste, weil die Straße kaum befahren war und es auch keine Laternen gab – und mich ein großer Hund auf dem Roller verfolgte – komme ich um 19:30 in Jiji an. Der Hotspot hier: 7/11. Ansonsten absolut tote Hose. Das Hostel ist komplett leer, aber ziemlich süß, genauso wie die alte Besitzerin, die nur chinesisch spricht und mich mit Obst versorgt. Für mich haben die letzten Stunden den Tag nochmal echt in eine andere Richtung gelenkt. Ich habe alleine den Roller auf einem Berg repariert und hatte wunderschöne Aussichten bei Fahren. Darauf erstmal ’n Bier auf dem Parkplatz von 7/11.

2 Kommentare

  1. Raini

    Bei deinen Berichten wird einem ganz schwindelig.Auf und ab,hin und her,Kreuz und quer…..da sehe ich Parallelen zu meinen Fahrten durch Europa 🙂🥴 Genial geschrieben.Wie nah Freud und Leid nebeneinander liegen.

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