Tage 06. bis 08. September 2025
Sie leben kaum noch in freier Natur. Ihr Zuhause begrenzt sich heute auf nur zwei Inseln Südostasiens: Borneo und Sumatra. Dort gibt es nicht mehr als 14.000 ihrer Art. In der Vergangenheit wurden sie gejagt und als Haustiere gehalten. Ihre Heimat, die Regenwälder, werden immer noch für Palmölplantagen oder Papier gerodet und abgebrannt. Ganze Urwälder sterben, und sie gleich mit ihnen – und das, obwohl wir rund 97 Prozent unserer DNA mit ihnen teilen. Die Urang Utans sind eine vom Aussterben bedrohte Art.

Frei lebende Urang Utans gibt es heute auf der indonesischen Insel Sumatra und auf Borneo, der drittgrößten Insel der Welt, die sich die Länder Malaysia, Brunei und Indonesien teilen. In Indonesien stehen die Primaten offiziell unter Schutz. Sie dürfen nicht mehr gejagt oder als Haustiere gehalten werden. Im Norden Sumatras, im Gunung Leuser Nationalpark sollen sie ungefährdet leben können. Sumatra ist mit 480.000 Quadratkilometer Indonesiens zweitgrößte Insel. Der Nationalpark erstreckt sich über 9.000 Quadratkilometer.

Angrenzend liegt das kleine Dorf Bukit Lawang, über dessen Fluss viele schmale und wackelige Brücken führen, um beide Seiten des Dorfes miteinander zu verbinden. Hier gab es ab 1973 ein Rehabilitationscenter für Urang Utans. Das Center konnte 2002 wieder geschlossen werden, da alle Tiere rehabilitiert waren. Die Urang Utans im Gunung Leuser Park gelten daher als semi-wild.
Bukit Lawang hat sich über die letzten dreißig Jahre zu einem touristischen Ort entwickelt und gilt als Tor zum Nationalpark. Das Dorf ist Startpunkt für Trekking-Tours, die von einem Tag bis zu einem Monat dauern können. Mit so einer Tour verbringe ich drei Tage im Dschungel.
Die Zeit im Dschungel
Um den ersten Urang Utan zu sichten, müssen wir nicht lange laufen. Wir sind erst eine halbe Stunde unterwegs – stehen noch immer auf öffentlichem Land, inmitten einer Kautschukplantage – als unser Guide Putra uns andeutet, den Blick nach oben zu richten.
Dort oben, zwischen den Ästen eines Kautschukbaumes, isst ein junger Primate die Frucht des Baumes. Hierher kommen die Tiere oft, um sich an den Plantagen satt zu essen. An uns Menschen sind sie deswegen meist schon gewöhnt. Manche kennen den Kontakt zu uns noch von ihrer Zeit im Rehabilitationscenter.

Unsere Tour führt uns anschließend durch die schwüle Hitze des Dschungels, auf steile Passagen und rutschige Berghänge. Lianen und Wurzeln geben uns dabei Halt. Über die drei Tage verteilt treffen wir auf Gibbons, eine Waldschildkröte, einige Nashornvögel, Makaken und den Thomas Leaf Monkey – auch Punky Monkey genannt.


Nach jedem Trekking-Tag verbringen wir die Nacht am Fluss. Das kühle, klare Wasser ist immer eine angenehme Dusche nach sechs Stunden Schwitzen.



Nicht jede Tour ist eine gute Tour
Zwar sind alle Guides in Bukit Lawang zertifiziert – das müssen sie auch sein – aber nicht alle handeln nach ethischen Maßstäben. Manche Guides locken die Urang Utans mit Früchten an. Sie legen das Futter extra nahe an Menschen, damit sie besonders schöne Fotos aus der Nähe schießen können. Dabei kann das für die Primaten gefährlich werden. Da wir den Großteil unserer Genetik teilen, sind sie anfällig für übertragbare Viren. Außerdem können an den Früchten Spuren von Insektenspray oder Sonnencreme sein, die ebenfalls schädlich sind für sie. „Die Tiere sollen außerdem lernen, in der Wildnis alleine zu überleben. Wenn sie ständig von Menschen gefüttert werden, gewöhnen sie sich daran und sind nicht mehr überlebensfähig“, erklärt uns unser Guide Putra, dessen Großvater schon als Dschungel-Guide gearbeitet hat.
Die Gefahren im Dschungel gelten nicht nur den Tieren. Erst drei Wochen vor meiner Tour wurde eine Trekkerin von einem ihrer Tourguides sexuell angegriffen, erzählt Putra. Dieser sei nachts zu ihrem Schlafplatz geschlichen und habe sie belästigt. „Das ist dank der Reaktion der Frau natürlich sofort aufgefallen und die Person musste das Camp noch in der Nacht verlassen“, sagt Putra.
Unter den Guides kennt man sich. Es habe daher nicht lange gedauert, bis der Mann seine Lizenz abgeben musste. Solche Situationen seien aber nur Einzelfälle, versichert Putra. „Wir nehmen das hier sehr ernst. Unter anderem auch, weil durch solche Personen schnell der gesamte Tourismus in Bukit Lawang leiden kann und seinen guten Ruf verliert.“ Für viele Menschen aus dem Dorf ist der Trekking-Tourismus die Haupteinnamequelle und der einzige Weg, Geld zu verdienen.
Wie geht es weiter?
Der Nationalpark ist für Tourist*innen oft der einzige Grund, nach Sumatra und Bukit Lawang zu reisen. Indonesien lebt von den Einnahmen des Tourismus – denn die Regierung ist korrupt. Aber damit auch die Tiere weiterhin geschützt werden können, ist es wichtig, auf die Grundsätze der Trekkingtouren zu achten. Tourist*innen müssen sich vorher informieren, ob Guides die Abstandsregeln zu den Tieren einhalten, sie nicht füttern und auch sonst keine Spuren im Dschungel hinterlassen.
Während der Gunung Leuser Nationalpark ein sicheres Schutzgebiet für die Tiere und artenreiches Ökosystem ist, werden andere Regenwälder Sumatras weiterhin gerodet – oft illegal. Die Waldbedeckung der Insel liegt mittlerweile bei unter 30 Prozent. (https://www.wwf.de/themen-projekte/wwf-erfolge/sumatra-kampf-um-die-letzten-regenwaelder)

Das geht mir richtig ins Herz. ❤️ Wie süß die Affen sind, unsere Vorfahren 😍
Schön dass es solche Menschen gibt!