In Indonesiens Westen: Fünf Tage bei dem Mentawai-Stamm Part I
In Indonesiens Westen: Fünf Tage bei dem Mentawai-Stamm Part I

In Indonesiens Westen: Fünf Tage bei dem Mentawai-Stamm Part I

02. Oktober 2025

Der kleine Hafen von Siberut Island ist ein Ort der Kontraste. Vier Stunden lang bringt das Schnellboot die Tourist*innen über 150 Kilometer Seeweg von der Großstadt Padang auf die abgelegene Insel. Der Weg ist derselbe, aber die Ziele der Menschen könnten kaum unterschiedlicher sein.

Auf dem Steg wird gedrängt. Viele englische Stimmen rufen durch die Gegend. Indonesische Männer tragen die Surfboards derer, die für die Wellen nach Siberut gekommen sind. Der Hafen leert sich, als die meisten auf kleinere Boote umsteigen, um zu den Surf-Resorts an anderen Teilen der Insel zu gelangen. Übrig bleiben nur ganz wenige – diejenigen, ohne Surfboards. Sie wollen in das Innere der Insel. In den Dschungel – wo das indigene Volk der Mentawai lebt. Auf sie wartet ein Pick-up Truck mit improvisierter Sitzfläche. Ich bin eine dieser wenigen.

Der Weg zu den Mentawai ist noch lange nicht geschafft. Denn obwohl die Insel Siberut ihre Heimat ist, finden sich viele der Traditionen heute nur noch fernab der Straßen und Strommasten.

90 Minuten lang führt ein einziger Schotterweg von dem Küstendorf in das Innere der Insel. Die Schlaglöcher sind so groß, dass auch die erfahrensten Fahrer manchmal stecken bleiben. Auf den Ladeflächen der vorbeifahrenden Trucks stehen junge indonesische Männer. Sie klettern während der Fahrt aus dem Fenster – dort oben macht es einfach mehr Spaß.

Als es anfängt zu regnen, bleiben wir unter der blauen Plane des Trucks trocken. Wir fahren vorbei an Menschen auf Rollern, die von der nassen Front erwischt wurden. Andere sind schlauer: sie nutzen ein großes Bananenbaumblatt als Regenschirm.

Wir tauschen die einsame Straße gegen einen noch einsameren Fluss ein. Zwei Kanus bringen uns während der nächsten 30 Minuten näher an unser Ziel im Dschungel. Umgeben von Bananenbäumen und Gewitterwolken fährt der Motor schnell gegen den Strom des braunen Wassers.

Auf einer kleinen Sandbank wollen wir gerade unsere Rucksäcke wieder aufladen, als wir die erste Uma sehen – ein traditionelles Haus der Mentawai. Eine Frau steht am Ufer, winkt uns zu und führt zwei Finger an ihren Mund – eine unmissverständliche Geste – sie fragt nach Zigaretten.

Bei einem Besuch der Mentawai ist es selbstverständlich, Geschenke mitzubringen. Für gewöhnlich sind das Zigaretten. Mit ihrem kleinen Boot paddelt die Frau an unsere Seite des Ufers. „Anaileuita“ sagt sie zu uns und wir geben einander die Hand. Auf der Sprache der Mentawai ist es das Wort für Hallo. Geschrieben wird es eigentlich nie, denn die Sprache existiert nur in gesprochenem Wort.

Je tiefer der Weg in den Dschungel führt, desto weniger Hilfsmittel gibt es. Die Kanus tauschen wir gegen Gummistiefel ein und machen uns auf – eine weitere, eine letzte Stunde wandern.

Nach einigen Ausrutschern und steckengebliebenen Stiefeln wird der matschige Pfad gegen schmale Baumstämme mit Einkerbungen eingetauscht – der Gleichgewichtsakt ist nur eines von vielen Dingen, den ich in den kommenden fünf Tagen lernen werde.

2 Kommentare

  1. Emma

    Hey liebe Henny, das klingt so spannend! Was für ein langer Weg…. Wie schön das Du es an diesen Ort geschafft hast, und vor allem mutig finde ich. ☺️ So abgelegen, wie spannend das dort Menschen leben. Danke für deinen Eintrag, das war sehr schön zu lesen. Fühl dich umarmt. ❤️

    1. Raini

      Kurz und bündig…… für den Anfang.Man braucht nicht viel Phantasie um einen Menschen mit Bananenblatt im Regen gehen zu sehen,so schön ist die Reise beschrieben Freu mich auf die nächsten 5 Tage 🙂💖

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