Mein Monat in Japan hätte so Vieles werden können. Aber am Ende war ich einfach nur etwas erleichtert, das Land zu verlassen.
Zu reisen ist nicht immer schön. Ich möchte nicht zu einer Illusion beitragen, man hätte dabei ausschließlich die beste Zeit seines Lebens und wäre überglücklich. Außerdem möchte ich ehrlich mit mir selbst sein und anerkennen, dass ich in der letzten Zeit einige Dinge anders hätte angehen können – aber manchmal braucht es eben seine Zeit.
Ich will also erzählen, wieso mein Trip in Japan so, naja, ein bisschen beschissen halt, war. Und wie wenig das am Ende mit dem Land selber zu tun hatte.
Ich glaube, begonnen hatte das Ganze in Taiwan. Nach dem sexuellen Übergriff hatte ich zwar nicht durchweg eine schlechte Zeit, aber ich bin gerannt. Ich habe mich körperlich und mental in einen Überlebensmodus versetzt, der einen Monat anhalten sollte. On top dazu kam die Trennung von meinem Freund. Bereits auf Okinawa habe ich den Balast – und meine Reaktionen darauf – der vergangenen Wochen gespürt, wollte aber trotzdem weitermachen und habe mir einen Flug nach Fukuoka gebucht. Ich wollte nicht zulassen, dass mir irgendetwas meine Reise verdirbt und mir beweisen, dass ich trotz allem schöne Erlebnisse haben kann.
Zu dem Zeitpunkt, wo ich auf Japans Festland ankam, waren meine Gefühle eine Achterbahnfahrt. Auf jeden guten Tag folgte ein schlechter, dann wieder ein guter, und so weiter. Nach einem Monat rennen, war ich ausgebrannt und an meine Grenzen gekommen.
Ich wusste zuvor genau, was ich von Japan wollte. Ich kenne mich und meine Art zu reisen, welche Orte gut für mich sind, und welche nicht. Ich wollte fernab der großen Städte bleiben, wandern gehen, in der Natur sein, Freiwilligenarbeit machen und hatte sogar die Idee, von Süden nach Norden per Anhalter zu fahren. Alles Dinge, die ich eigentlich gerne mache.
Ich habe nichts dergleichen geschafft. Ich hatte schlichtweg keine Energie dafur. Trotzdem war ich nicht bereit, Japan so schnell aufzugeben. Mir war also klar: Ich muss herausfinden, was mir jetzt im Moment gut tut, und das möglich machen. Für mich bedeutete das zu der Zeit, länger an einem Ort zu bleiben – wo ich unter Leute komme. Nach knapp einer Woche alleine im Süden Japans, machte ich mich also auf den Weg nach Hiroshima, wo ich 7 Nächte blieb und viele Menschen im Hostel getroffen habe. Und es half.
In meinen vier Wochen Japan bin ich von Stadt zu Stadt gefahren, immer mit Bus oder Bahn. Die Gemütsachterbahn wurde langsam ruhiger. Aber jeder längere Weg und jede kleine Herausforderung hat mich weiterhin überwältigt. Es war also einfach, in die Öffis zu steigen und nach wenigen Stunden in einem neuen Ort anzukommen, wo alles vorhanden ist. Nach allem, was ich durchgestanden hatte, musste ich nun auch endlich einmal den Stress von mir nehmen. Es tat gut (welch Überraschung), aktiv auf mich selbst zu hören, anstatt die ganze Zeit durch zu pushen, wie ich es davor getan hatte.
Ich bin normalerweise eine Person, die immer darauf hört, was sie gerade braucht – sei das mental oder körperlich. Es sollte also offensichtlich sein, dass man auf sich achtet, wenn man gerade etwas durchmacht. Aber ich bin alleine auf Reisen, ohne festen Wohnsitz, ohne meine Freunde oder Familie. Einen sexuellen Übergriff auf Reisen zu überleben – und diesen ganzen darauffolgenden Prozess – das ist nochmal ein anderes Level – eines, das ich gerade noch nicht in Worte fassen kann.

Auch wenn mein Kopf oft woanders war, gab es zwischendurch Augenblicke, die sich leicht angefühlt haben. Hier sind ein paar Fotos von Momenten, in denen kurz alles gestimmt hat.















Eigentlich logisch.Man nimmt auf Reisen vieles Intensiver wahr.Besonders wenn man alleine unterwegs ist.Vor allem ist eine Superschnelle Kommunikation möglich um sich bei Negativen Erfahrungen helfen zu lassen.Schöne Berichte helfen nicht immer über alles hinweg.Und mal zur Ruhe kommen ist schwer bei ständigem Reisen.Einen Ort finden wo man einen/eine Freund/in findet,ist sehr wichtig.
you are handling a lot while being in many unfamiliar places with many new or unfamiliar people! it’s only natural that you needed some time to adjust, recover, and desired some familiarity and convenience of the cities. thank you for the beautiful pictures and slices of “times things felt alright”. there can be light through the darkness ◡̈