Tage 5. bis 20. Juni 2025
Es war der zweite Tag unseres Trips. Irgendwo zwischen dem zweiten Kaffee und der zehnten Kurve, kam der Gedanke: Ey, es braucht wirklich nicht viel. Keine Aufregung, kein Abenteuer. Einfach nur gute Gesellschaft, ein paar kurvige Straßen, gutes Essen und alle Zeit der Welt. Der Mae Hong Son Loop hat nichts abverlangt – und genau deshalb so viel gegeben.

Aber von vorne
Zwei Tage Hitze in Bangkok genügen. Ungeduldig machen Ollie und ich uns auf den Weg nach Chiang Mai. Ollie; der Engländer, den ich auf Okinawa kennengelernt habe, begleitet mich in den kommenden zwei Wochen auf diesem Trip in Thailand. In Chiang Mai mieten wir uns einen Roller und verlassen in der Mittagssonne Thailands zweitgrößte Stadt, Richtung Highway, Richtung Mae Hong Son Loop.
Über 600 Kilometer liegen vor uns. 1.800 Kurven. 2.300 Höhenmeter Unterschied. In den nächsten zehn Tagen erwarten uns hohe Bergpässe, Teakholz- und Kiefernwälder, gutes Essen und ruhige Dörfer.
Thailand war nicht das Abenteuer, das ich wollte, aber der Urlaub, den ich brauchte.
Das Schönste am Fahren des Mae Hong Son Loop sind die kleinen Zwischenstopps, die Ollie und ich machen. An Straßenständen kaufen wir uns kiloweise Rambutan und Mangosteen – typische Früchte für Südostasien. Am ersten Fahrtag machen wir an einem Fluss Halt, nachdem wir für eine gefühlte Ewigkeit die Hauptstraße entlanggefahren sind. Die harte Schale der Rambutan knacken wir mit den Daumen auf, während wir uns viel unterhalten und den Lauf des Wassers beobachten oder das leuchtende Grün der umliegenden Bäume aufsaugen. Mann, tut das gut. In der Natur sein. Ich hatte in den letzten Wochen zu viel Zeit in Städten verbracht. Der Norden Thailands ist gerade genau das Richtige.


Alle schwärmen immer vom Kaffee in Vietnam oder Taiwan. Aber ehrlich gesagt, der Milch-Cappuccino für 80 Cent an den vielen Aussichtspunkten des Loops hat mich besonders positiv überrascht. Thailand baut seinen eigenen Kaffee an, weswegen er hier besonders lecker – und günstig – ist. Fast jeden Tag legen wir in den Cafés unsere Mittagspause ein, genießen die Aussicht, streicheln Hunde und Katzen. Keine Eile. Kein Rennen mehr.



Wir haben nirgendwo zu sein. Klar, früher oder später müssen wir einen Schlafplatz finden, aber das ist leicht getan. Das Wichtigste für Ollie und mich ist, dass wir abends ein kühles Singha oder Chang trinken können und dass uns die Zigaretten nicht ausgehen. Nein. Eher, dass wir nicht ausversehen schon wieder Menthol kaufen. Oft sind wir abends draußen, Dosenbier in der einen Hand, Kippe in der anderen. In Mae Sariang sitzen wir so am Fluss, in Mae Hong Son bei strömenden Regen unter dem Vordach von 7/11, irgendwo inmitten von Kiefernbäumen auf einem Campingplatz vor dem Zelt… Ich könnte so weiter aufzählen. Mal reden wir dabei über unser Leben, mal spielen wir „Wer bin ich“ – weil wir weder Karten noch Kniffel dabei haben. Nein, ich habe keine Ahnung, wer Anthony Bourdain ist?! (Jetzt schon) Aber Ollie schafft es auch nicht, zu erraten, dass er Mr. Bean ist. Und so jemand nennt sich Brite.


Die Tage sind gefüllt mit Strecke machen. An entspannten Tagen schaffen wir 60 Kilometer, an anderen zwischen 100-120 Kilometer. Mit jedem Kilometer, den wir zurücklegen, genieße ich die Freiheit, die der Roller ermöglicht, mehr. Losfahren, wann man will. Anhalten, wann und so oft man will. Auf nichts muss man Rücksicht nehmen – nun, mal abgesehen von den Regenschauern, die plötzlich und intensiv sind. Aber die sind meist nur abends und verschwinden so schnell wie sie gekommen sind. Nur selten werden wir vom Regen während der Fahrt überrascht. Dann halten wir an und warten bis der Schauer vorüberzieht.
Aktivitäten werden nur gemacht, wenn wir beide Bock drauf haben. Und wir sind jedes Mal einer Meinung. So bringt uns ein besonders heißer Tag auf dem Weg von Khun Yuam nach Mae Hong Son zu einem Wasserfall mit Pool. Die Sonne steht perfekt hoch oben im Himmel, sodass sie durch die Bäume hindurchglitzert, während ich mich im Wasser treiben lasse.




Die Dörfer gefallen ebenso wie Natur und Strecke. Nach jedem Tag auf der Straße, bin ich neugierig, wie der nächste Ort und die nächste Unterkunft aussieht und wirkt.
Es sind die einfachen Dinge, die viel Spaß machen…
…Das Angebot von 7/11 genaustens inspizieren und verkosten, beispielsweise. Jedes Mal, wenn wir hier Halt machen – nachdem wir schon eine Weile auf dem Roller saßen, mein Gesicht von der Hitze glüht und mindestens einer von uns einen Sonnenbrand hat – ist 7/11 ein Stück vom Himmel. Vom aufgeheizten Asphalt rein in den Eisblock von Convenience Store fühlt sich an, wie Klimazonen zu wechseln, für fünf Minuten zumindest. Drinnen stocken wir auf; es gibt Toasties, Variationen von Spicy Chickem Burger, Literweise kaltes Wasser und das für mich obligatorische Elektrolyt-Pulver. Nicht etwa, weil das Essen hier schlecht wäre, sondern weil ich wie sonst was schwitze und meine Füße dann so verkrampfen als würden sie mutieren wollen.
…Auch durch die Straßen der mal größeren, mal kleineren Dörfer zu schlendern. Oft auf der Suche nach Billiard-Tischen, Papaya Salat oder Mango Sticky Rice, den wir nach sieben Tagen endlich in der Stadt Pai finden. Auf den Straßen begegnen uns aber vor allem: Katzen. In keinem südostasiatischen Land habe ich bisher so viele Katzen gesehen, wie hier in Thailand. Wir halten bei jeder einzelnen an, weil Ollie sie unbedingt anfassen und streicheln muss. Wirklich. Bei jeder Katze.
…Dem Regen entkommen, beziehungsweise ihn feiern, weil gerade kein Regenschirm zur Hand oder Unterschlupf in Sicht ist. Ohnehin ist es zu heiß und der Regen dadurch eine willkommene Abkühlung.




Zurück in Chiang Mai
Der Mae Hong Son Loop ist zu schnell vorbei. Die 130 Kilometer, die wir am letzten Tag zurücklegen, fliegen auf den Serpentinenstraßen nur so dahin. Wir kehren zurück nach Chiang Mai und geben den Roller beim Verleih ab. Nach zehn intensiven Tagen fühlt es sich etwas merkwürdig an, wie schnell wir uns wieder vom Roller und dem Loop verabschieden mussten.
Die letzten zwei Tage der Reise sind gefüllt mit weiteren Billiard-Runden, in denen ich zwanghaft versuche, zu gewinnen – was ich auch schaffe, und zwar dann, wenn Ollie beim letzten Ball einen Fehler macht. Aber auch ein passiver Win ist ein Win, oder? Das muss ich mir zumindest einreden. Tagsüber versuchen wir jedenfalls die Hitze der Großstadt zu überleben, abends hingegen kühlen wir uns mit Bier ab (tagsüber gibt es Beer-Ban) und schaufeln scharfes Thai-Essen in uns rein, bis der letzte Abend plötzlich da ist. Morgen bin ich wieder allein.


Also ich bleib dabei: es braucht nicht viel. Nette Gesellschaft, Zeit und vor allem: ein Roller, der dich überall hinbringt, wo du willst.

this is such a precious view on the scooter loop!!! i felt like i was there with you guys and laughing along with your jokes :,) those sweet kitties deserved all the love