Ein norddeutsches Girl in Liachtaschta: 11 Dinge, die ich über Liechtenstein gelernt habe
Ein norddeutsches Girl in Liachtaschta: 11 Dinge, die ich über Liechtenstein gelernt habe

Ein norddeutsches Girl in Liachtaschta: 11 Dinge, die ich über Liechtenstein gelernt habe

Nachdem ich mir fast drei Monate Deutschland gegeben habe, ziehe ich im August für einen Gastro-Job nach Liechtenstein. Auch, wenn ich hier mitten in den Bergen lebe und mich mehr mit Murmeltieren als mit Menschen unterhalte, lerne ich doch so Einiges über dieses interessante kleine Land, das sich Liechtenstein nennt. Insgesamt gibt es hier elf Gemeinden, daher kommen hier elf Dinge, die ich auf der Berghütte über Liechtenstein gelernt habe.

1. Liechtensteiner sind entweder furchtbar nett oder furchtbar arrogant

Nein, es gibt kein dazwischen (zumindest meiner persönlichen Erfahrung nach). Die Liechtensteiner machen keine halben Sachen – das merke ich immer wieder, wenn ich auf der Hütte Gäste bediene. Entweder fangen die Menschen mit mir Gespräche an und begegnen mir mit einem offenen Lächeln – oder aber sie schauen mich nicht mal an, während sie mir ein paar Scheine auf den Tisch werfen, als sie gerade bezahlen. Das Level an so manch arrogantenLiechtensteinern übertrifft Einiges. Bei den netten Menschen hingegen würde ich mich am liebsten mit an den Tisch setzen und ein Bierchen gemeinsam trinken.

2. Die Scheindemokratie

Ja, Liechtenstein hat eine demokratische Regierung. Und ja, der Fürst Hans-Adam II kann immer sein Veto einlegen -wenn er will. Das passiert zwar nicht häufig, weil die Bevölkerung des Landes in etwa genauso konservativ wie ihr Fürst ist. Der Fürst muss jedoch das Veto nicht einmal vollziehen – es reicht, dass er es nur androht, sodass die Politik einen Gesetzesentwurf schon abändert. Frei nach dem Motto „Leute, spart euch doch einfach gleich die Mühe!“.

Erst vor Kurzem kündigte der Erbprinz Alois bereits im Vorfeld der Abstimmungen an, dein Veto gegen die Legalisierung von Abtreibungen einzulegen. Und es hat funktioniert. Abtreibungen bleiben in Liechtenstein weiterhin illegal. Die Regierung begründet dies schließlich damit, dass es ja ohnehin leicht wäre, eine Abtreibung im Ausland vorzunehmen.

3. Das 6-kleinste Land der Welt

Das Land Liechtenstein besteht nur aus einer Fläche von 160 Quadratkilometern. Kleiner sind nur San Marino, die Inselstaaten Tuvalu und Nauru, Monaco und an der Spitze Vatikanstadt.

Etwa 40.000 Menschen leben hier. Trotz der geringen Größe ist Liechtenstein stark industrialisiert. Um die 25.000 Menschen aus den Nachbarländern pendeln jeden Tag zur Arbeit nach Liechtenstein.

4. Warum Menschen nach Liechtenstein reisen

Das ist die Frage, die mich brennend interessiert. Immer wieder treffe ich auf der Hütte Menschen, bei denen ich denke, ihr habt euch aber verlaufen! Ich treffe hier nicht nur Menschen aus England oder die Niederlande. Norwegen, Wales, Chile, Kanada, die USA, Indien, China, Australien und Neuseeland. Alle reisen für ihre Wandertour extra nach Liechtenstein.

Eine Sache haben sie alle gemeinsam: die Vorliebe für die Berge und das Wandern. Na klar! Hätte ich mir auch denken können. Ansonsten würde man ja nicht freiwillig 1000 Höhenmeter am Tag über 10 Stunden laufen. Viele verbinden ihre Liechtenstein-Reise aber auch mit den umliegenden Ländern und reisen noch nach Deutschland, in die Schweiz oder nach Österreich. Einige wollen das Länder-Dreieck besichtigen, wo sie in drei Ländern gleichzeitig stehen können. Andere wiederum finden den Gedanken spannend, die gesamte Länge eines Landes zu wandern. Ein weiterer wichtiger Grund ist, dass Liechtenstein nicht so von Touristen überlaufen ist wie seine Nachbarländer.

5. Es heißt Käsknöpfli, nicht Spätzle!

Das ist ungefähr so wichtig, wie einer Person aus Malaysia bloß nicht zu sagen, dass es ihre Nationalspeise Nasi Lemak quasi genauso in Indonesien gibt. Unerfahrene Anfänger mögen da vielleicht tatsächlich auf den ersten Blick keinen Unterschied sehen, aber es gibt ihn trotzdem. So auch bei Käsknöpfli.

Käsknöpfli sind kürzer und kleiner als Spätzle und werden etwas anders zubereitet. Außerdem nimmt man in Liechtenstein – oder zumindest bei uns auf der Hütte – Sauerkäse und Hartkäse für die Zubereitung von Käsknöpfli. Die Käsknöpfli werden schließlich mit Röstzwiebeln und Apfelmus gegessen.

6. Diplomatische Beziehungen zu China

Anfang Januar dieses Jahres feierten Liechtenstein und China ihr 75. Jubiläum diplomatischer Beziehungen. Damit war das Land eines der ersten weltweit, das die Volkrepublik China offiziell anerkannte.

7. Die Kosten der Krankenversicherung

Wer wie ich in Liechtenstein arbeiten möchte, braucht eine Krankenversicherung ( und übrigens auch einen Aufenthaltstitel). Einen Teil dieser Prämie zahlt der Arbeitgeber, die andere Hälfte zahlt der Arbeitnehmer. Das sind in meinem Fall 250 Euro monatlich. Dieser Betrag ist noch eher gering. Dafür habe ich aber im Falle einer Beanspruchung der Krankenversicherung eine sogenannte Franchise von 4000 Franken. Das bedeutet, die ersten 4000 Franken an Arztkosten, die bei einem Unfall entstehen, muss ich selbst zahlen. Erst danach greift die Krankenkasse.

8. „Die Flamme Liechtensteins“

Zum Nationalfeiertag am 15. August las ich einen Artikel in der Liewo – der Liechtensteiner Woche. „Liechtensteins Flamme soll weiterleuchten“ hieß der Titel, der sich damit auf ein Zitat der Rede des Landtagspräsidenten Manfred Kaufmann bezieht. Dieser plädiert dafür, in Zeiten der Herausforderungen die traditionellen Werte des Landes – Fleiß, Verantwortung und Zusammenhalt – zu wahren, und bestärkte dies mit den Worten der „Flamme Liechtensteins“.

Diese Flamme würde das Fundament Liechtensteins bilden, so Kaufmann. Aktuelle Herausforderungen seien beispielsweise die steigenden Lebenshaltungskosten, die Sicherung der Altersvorsorge und die Verkehrsinfrastruktur.

Am Nationalfeiertag werden auf den Bergen überall rote Fackeln aufgestellt.

9. Wo der Monarch noch im Schloss lebt

Erbaut wurde Schloss Vaduz im 12. Jahrhundert. Über Jahrhunderte hinweg war es jedoch eine fast verfallene Ruine und drohte, im 19. Jahrhundert einzustürzen. Erst vor etwas mehr als 100 Jahren wurde es wieder bewohnbar gemacht. Damals war es als Denkmal oder Museum gedacht. 1938 zog erstmals Fürst Franz Josef II in das Schloss, um angesichts des herannahenden Zweiten Welt die Unabhängigkeit und Souveränität Liechtensteins zu untermauern.

Heute leben weiterhin Fürst Hans-Adam II und seine Familie im Schloss Vaduz. Das Schloss ist deshalb, ungleich anderer Schlösser in Europa, der Öffentlichkeit nicht zugänglich.

10. Ausländeranteil

Jede dritte Person in Liechtenstein, besitzt keine Liechtensteinische Staatsbürgerschaft. Über 34 Prozent der Bevölkerung sind nämlich Ausländer. Den größten Anteil machen hier Menschen aus der Schweiz, Deutschland und Österreich aus, gefolgt von Italien. Asylanträge werden in der Regel alle abgelehnt – so wie 2024, als insgesamt 89 Anträge eingereicht wurden.

11. Nazivergangenheit

Während das Land in der NS-Zeit offiziell seine Unabhängigkeit wahren wollte, gründeten die Brüder Eugen und Martin Hilti 1941 die Firma Maschinenbau Hilti OHG – und starteten somit direkt als Zulieferer für die nationalsozialistische Rüstungsindustrie. Während des zweiten Weltkriegs fertigte Hilti unter anderem Panzer und Zünder für die deutsche Wehrmacht und profitierte massiv von den Aufträgen.

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