In Indonesiens Westen: Zwischen Algenexport und Aktivismus
In Indonesiens Westen: Zwischen Algenexport und Aktivismus

In Indonesiens Westen: Zwischen Algenexport und Aktivismus

Unter der brennenden Mittagssonne von Nias Island trocknen die Algen vor sich hin. Neben dem blauen, kristallklaren Ozean liegen sie ausgebreitet auf Bambusbrettern. Hier im Norden der Insel, in der Nähe des Dorfes Lahewa, führt eine Familie ein kleines Unternehmen: eine Algenfarm – mit dem Exportziel China.

Nias liegt westlich von Sumatra und ist mit einer zehnstündigen Fähre zu erreichen – oder einem einstündigen Flug von Medan. Ich habe mich für die Fähre entschieden.
Der Ausblick bei der Algenfarm

„Wir haben vor zwei Jahren mit dem Geschäft angefangen. Hier in der Gegend gibt es nur wenig Jobs. Viele Menschen sind arbeitslos“, erzählt Yanuarman Gulo. Das Unternehmen gehört ihm und seiner Familie. Sie bauen Algen im Meer an, ernten, trocknen sie und exportieren sie nach China. Dort werden sie beispielsweise für den Verzehr weiterverarbeitet. Aber auch für kosmetische Zwecke sind Algen beliebt. Aus ihnen werden Cremes, Peelings und Gesichtsmasken hergestellt.

Das Geschäft mit den Algen bringt der Familie und deren Gemeinde Geld ein. 10.000 Rupiah für ein Kilogramm – 51 Cent. Jeden Tag ernten sie ca. 38 Kilogramm. Umgerechnet sind das 19 Euro pro Tag.

1.400 Seile befinden sich zurzeit im Wasser. Jedes davon ist 21 Meter lang. Ernten können sie alle 45 Tage. Es ist ein Geschäft, das bisher gut läuft. „Aber durch den Klimawandel stellen wir jetzt schon Korallenbleaching bei uns im Meer fest“, sagt Yanuarman. Erhöhte Wassertemperaturen können sich auch negativ auf das Algenwachstum auswirken. Wie es um die Zukunft seiner Farm steht – darauf geht Yanuarman nicht weiter ein.

How to Algenfarm

Die Rollen beim Farmprozess sind klar verteilt. Die Frauen sitzen auf kleinen bunten Plastikstühlen, um die Algen mit einem speziellen Knoten an den Seilen zu befestigen. Währenddessen fahren die jungen Männer – manche sind Familie, andere sind Freunde aus dem Dorf – mit dem Motorboot aufs Meer raus. Mit dabei haben sie einen Generator und künstlichen Sauerstoff. Sieben Meter tief müssen sie tauchen, um die Seile mit den Algen im Wasser zu positionieren, wo sie dann weiter wachsen werden.

Im Schatten wechseln sich die Mädchen und Frauen mit der Arbeit ab.
Mit einer speziellen Knotentechnik werden große Algen an die Seile geknotet und anschließend ins Wasser gelassen.

Think global

Von dem indonesischen Staat gibt es nur wenig Unterstützung; Alle wissen um die korrupten Politiker, die das Land regieren. Erst Anfang September protestierten Tausende gegen die „korrupte Elite“ und die Polizei, die einen 21-jährigen Taxifahrer tötete. Viel verändert hat sich seit den Protesten jedoch nicht.

„Ich war in meinen jüngeren Jahren ständig auf der Straße, um zu protestieren“, erinnert sich Yanuarman. Gegen die Regierung, gegen den Staat. Sein Vorbild dabei ? Che Guevara, der als Symbol der Widerstandsbewegung in Kuba von 1953-1959 gilt.

Yanuarman ruft einen kleinen Jungen zu sich. „Das ist Che Lukas, mein Sohn. Ich habe ihn nach Che Guevara benannt.“ Der kleine Junge, vielleicht gerade einmal zehn Jahre jung, schaut kurz schüchtern zu mir und verschwindet wieder.

Heute geht Yanuarman nicht mehr protestieren. Seinen aktivistischen Charakter behält er aber bei. „Think global, act local“, sagt Yanuarman immer wieder während unseres Gesprächs. „Für mich bedeutet das, immer das Beste zu geben, um zu wachsen. Wir müssen auch wissen, wie wir uns um unsere Umwelt kümmern können, sodass sie uns erhalten bleibt.“

Act local

Mit der Algenfarm will Yanuarman das Leben in seiner Gemeinde verbessern. „Hier arbeiten nicht nur meine Frau, unsere Kinder und ich. Die Jungs dort hinten sind auch Freunde aus dem Dorf – die helfen hier mit“, erzählt er und deutet auf sechs junge Männer, die gerade in das Boot steigen und immer wieder neugierig und grinsend in unsere Richtung blicken.

Mit Zurufen wie „Come on, Baby“ unterbrechen die Jungs unser Gespräch. Ich kann mir jedoch Schöneres vorstellen und winke lächelnd ab, bevor sie schließlich mit dem Boot aufs Meer fahren und die nächste Ernte der Algenfarm vorbereiten.

Mit diesem Boot fahren sie raus zur Farm
Zum Abschluss ein kleiner Side Fact: 2005 gab es auf Nia’s ein Erdbeben, das die Landmassen auf über zwei Meter anhob. Wo sich heute die Algenfarm befindet, stand vor 20 Jahren alles unter Wasser. Diese Koralle erinnert daran.

Ein Kommentar

  1. Emma

    Wow spannend! ❤️ Danke für deine Einblicke! Toll das es solche Menschen gibt.
    (Wenn du dich mal wo bewirbst musst du auf jeden Fall deinen Blog zeigen.)😍
    Du hast eine tolle Perspektive und Art und Weise zu erzählen.

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