Mit dem Roller einmal um Taiwan: Taroko Schlucht… but make it difficult
Mit dem Roller einmal um Taiwan: Taroko Schlucht… but make it difficult

Mit dem Roller einmal um Taiwan: Taroko Schlucht… but make it difficult

7. April 2025

Am 3. April 2024 gab es in der Taroko Schlucht an der Ostküste Taiwans ein Erdbeben von der Stärke 7.3. Aktuell wird mit Hochdruck daran gearbeitet, das zu reparieren, was die Natur zerstört hat und den Nationalpark langsam wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dass mir quasi dieses Erdbeben bei meinem Ausflug in die Schlucht noch den Arsch retten würde, damit hätte ich nicht gerechnet.


Kurz zurückspulen

Der Taroko Nationalpark ist für viele Menschen ein Highlight in Taiwan. Hier gibt es viele Wanderrouten, Wasserfälle, heiße Quellen.
Entstanden ist die Schlucht vor 20 bis 30 Millionen Jahren durch tektonische Plattenverschiebungen. Auch heute noch bewegt sich das Gebirge. Bis zu 0,5 cm Pro Jahr in die Höhe.

Der Name Taroko stammt von der Sprache des indigenen Volkes Truku und bedeutet „wunderschön“. Für die Truku ist die Schlucht ihre Heimat. In den Bergen lebend, betrieben sie vorwiegend Jagd und Landwirtschaft. Von 1895 bis 1945 kolonialisierte Japan Taiwan, was dazu führte, dass viele Mitglieder des Truku-Volkes zwangsumgesiedelt wurden. Japan baute Straßen in die Schlucht; der „Zhuilu Old Trail“ wurde als Militärpfad gebaut. Auch aufgrund des Vorkommens von Marmor war die Schlucht wirtschaftlich interessant.

1956 begann Taiwan, einen großen Highway entlang der Schlucht zu bauen, inklusive Tunnel, Brücken und steiler Straßen. Offiziell als Nationalpark eingeführt wurde Taroko 1986, um die Natur zu schützen.

Mein Trip
Es ist Tag 7 meiner Rollerreise um Taiwan. Gestartet bin ich am 1. April in Taipei, Richtung Osten, der Küste entgegen. Ich will zu einer heißen Quelle. Dafür muss ich erstmal 20 Kilometer in den Park reinfahren. Der Weg dorthin ist grau, felsig, kantig. An jeder Ecke kann man die Schäden sehen, die das Erdbeben vor einem Jahr angerichtet hat. Tunnel sind eingestürzt, Plattformen aus Holz durch Erdrutsche zerstört, die Straßenschäden sind tief. Das macht den Nationalpark nicht weniger schön, sondern sogar noch faszinierender.

Angekommen beim Parkplatz der heißen Quelle muss ich zuerst über das Absperrband steigen. Es folgen Stufen durch dichtes Grün und tropische Pflanzen – ganz das Gegenteil zur rauen Schlucht, die ich noch bis vor ein paar Minuten gefahren bin.

Die Quelle befindet sich direkt unter der Brücke neben einem reißenden Fluss. Die letzten Meter musste ich ein paar kleine Kletterpassagen überqueren.

Die heiße Quelle hier war die erste, die ich jemals besucht habe. Sogar nach dem Besuch riecht das Handtuch noch nach Schwefel. Durch den hohen Gehalt hatten sich meine Silberringe in Regenbogenfarben gefärbt. Außerdem bin ich mit Rückenschmerzen in die Quelle reingegangen und ohne wieder heraus.

Ein holpriger Rückweg
Der Rückweg aus dem Park gestaltete sich dann etwas schwieriger. Durch die vielen Straßenarbeiten ist die Hauptstraße nur wenige Stunden am Stück geöffnet. So musste ich 40 Minuten warten, bis ich rausfahren konnte. Aber dafür habe ich viele Affen gesehen, die sich gegenseitig auf Läuse untersucht haben. So süß!!

Als die Straße geöffnet wurde, fingen die Probleme an. Ich hatte kurze Startschwierigkeiten mit dem Roller. Dann gab er plötzlich viel Gas, obwohl ich kaum welches gab. Es wurde immer ruckeliger, bis ich auf der Straße rechts ranfahren musste. Motor aus, kurz warten, Motor wieder an. Zumindest der Versuch, denn jetzt ging der Motor gar nicht mehr an, sondern gab nur noch ein verzerrtes, trauriges Geräusch von sich. Also rief ich Jeremy an, von dem ich den Roller für – offensichtlich – sehr wenig Geld gemietet hatte. Der Tank sei wahrscheinlich leer, sagte er. Ich hatte noch 1/3 voll. Die Anzeige spinne vermutlich, meinte er. Das hat sie davor nie getan. Aber gut, er ist der Mechaniker, vielleicht hatte er Recht. Immer noch 20 Kilometer tief im Nationalpark entschied ich mich kurzerhand den Daumen rauszuhalten. Ich muss zur nächsten Tankstelle, also eben Wasserflasche einpacken und los. Dank der intensiven Straßenarbeiten fuhr direkt ein großer Pritschenwagen vorbei – und hielt für mich an. Mit einfachen Worten wie „Gas“ und „empty“ und Fingerzeigen auf die Tankanzeige machte ich dem Fahrer klar, was ich brauchte. Kein Problem, er würde mich zur nächsten Tankstelle bringen, machte er mir ohne Worte zu verstehen.
Eine halbe Stunde später wusste ich dann auch, welche Farbe Benzin 92 hat: grün. Wollte ich schon immer mal wissen. Mit dem Benzin in meiner PET-Flasche brachte mich Ken (wie ich mittlerweile erfahren hatte) wieder den ganzen Weg zurück zu meinem Roller. Ich hatte keine Ahnung, ob er nicht schon längst Feierabend hatte, war aber so dankbar dafür, wie sehr er mir bereits geholfen hatte und für mich hin und her gefahren ist. Beim Roller angekommen, stellte sich dann heraus: es lag nicht am leeren Tank. Ken versuchte, dem Scooter einen Kick Start zu geben, aber nein, meine alte Plastikkiste wollte einfach nicht. Über Google Translate sagte Ken zu mir „spark plug“. What the fuck ist spark plug? Erstmal egal, wir wussten beide, hier hilft nur noch ein Mechaniker. Also wieder raus aus dem Nationalpark. Ken, mein absoluter Held, manövrierte den Roller auf den Pritschenwagen und ich war selten so froh, einen handwerklichen Mann bei mir zu haben. Was hätte ich ohne ihn und den Pritschenwagen gemacht an dieser Stelle?

Ken fuhr mich und Schrotti zu einem befreundeten Mechaniker, wo man mir sagte, dass die Zündkerze und die CDI-Zündung ausgetauscht werden müssen. Die CDI-Zündung ist, wie ich jetzt weiß, ein elektronisches Zündsystem, das Energie in einem Kondensator speichert und dann in einem starken Funken entlädt, um die Zündkerze anzukurbeln. Und so sah sie nun aus:


Drei Stunden später und 80 Euro leichter.
Ich konnte mich nicht genug bei Ken bedanken. Ich versuchte, ihm etwas Geld zu geben, was er aber nicht akzeptierte. Also blieb mir nur noch „Xièxie“. Danke.

Das für mich Besondere an der ganzen Sache: ich war am Ende des Tages einfach nur froh. Darüber, dass ich es aus Taroko geschafft habe, dass mir Menschen geholfen haben, dass ich mit Ruhe gehandelt habe, dass ich die Situation alleine und doch gleichzeitig nicht alleine geregelt habe.
Und warum mir im Endeffekt das Erdbeben von vor einem Jahr geholfen hat? Ohne das Erdbeben wären ich und Schrotti nicht von Ken mit seinem Arbeitsauto mitgenommen worden.

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